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Kraft der Demokratie

Posted in Philosophie with tags , , , , on 24. Oktober 2009 by sebastian

Ich meine, dass man in der momentanen Besetzung der Universität Wien sehen kann, was die eigentliche Kraft der Demokratie ist, oder zumindest sein sollte. Denn hier ist eine Stelle erreicht, wo eine unterdrückte Gruppe nicht mehr einfach über ihre Probleme reden möchte, oder argumentierend eine andere Gruppe zu überzeugen sucht. Hier ist genau der demokratisch interessante Punkt erreicht, wo eine unterdrückte Gruppe die Ansichten aller anderen Gruppen ignoriert, ja schroff ablehnt. Die Studenten sagen quasi „Es ist uns egal, was ihr für Argumente habt, wir erleben die Situation als untragbar und ihr müßt euch etwas einfallen lassen.“
Da ist meiner Ansicht nach der starke Punkt einer Demokratie: dass das erlaubt ist und funktioniert. Es ist genau der Punkt, wo das „bessere Argument“ egal ist, wo alle Rationalität untergeordnet wird und wo Diskussionen wie „Müssen wir in einer toleranten Demokratie auch rechtsradikale Subjekte tolerieren?“ uninteressant werden. Man muss gar nichts, darf die eigenen Interessen aller Logik zum Trotz ernst nehmen und eben hier liegt meines Erachtens die Kraft.
So gesehen passiert Demokratie nicht bei Wahlen oder im Parlament oder in endlosen Debatten, sondern sie wird von den Menschen gemacht, die jegliche Debatte von vorne herein verneinen und sich trauen, Menschen mit schreienden Bedürfnissen zu sein. Anders gesagt von Menschen, die sich trauen, Menschen zu sein und keine gleichgültigen und kalten Figuren, die unendliche Debatten führen, die sie nicht berühren.

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