„Basisdemokratie“ als Schwäche

Nach allem, was ich über die studentischen Proteste gehört und von ihnen gesehen habe, bin ich der Ansicht, dass dabei die sogenannte „Basisdemokratie“ ein eher störender Faktor ist.
Angefangen hat der Protest mit der (meiner Ansicht nach vollkommen berechtigten) Forderung, dass die Arbeitsbedingungen an den Universitäten verbessert werden müssen. Man wollte wieder einen Schritt weg von der puren Ausbildung (das System mit Bachelor und Master ist meiner Erachtens ein Symptom) hin zum aufklärerischen Ideal der Bildung. Doch nach einigen Tagen, begann eine gewisse Richtungslosigkeit einzusetzen. Oder besser: Es gab zu viele Richtungen auf einmal. Immer mehr Gruppen fühlten sich solidarisch und wollten sich auch in der Protestbewegung vertreten wissen. Grüne Politiker, Robert Menasse, FeministInnen, Antikapitalisten, „Linksradikale“ und noch einige mehr hängten kräftig die Fahne in den Wind (wie sie es immer tun).
Diese Solidarität ist sehr schön, hat aber meiner Ansicht nach dazu geführt, dass das primäre Ziel aus den Augen verloren wurde. Der Forderungskatalog der Studenten wurde zwar verbessert, trägt aber das unübersehbare Gesicht einer ziellosen Pluralität. Überspitzt formuliert müßt man eigentlich den ganzen Kapitalismus abschaffen, dazu alle diskriminierenden Männer, alle Rassisten, und noch einige(s) mehr bis das Audimax wieder freigegeben wird.
Das sind für sich genommen (teilweise) schöne Ziele wie ich finde. Aber bei der Debatte um bessere Bildungsmöglichkeiten kann z.B. die Feministen- oder auch die Kapitalistenfrage bestenfalls eine sekundäre Rolle spielen. Wie im letzten Eintrag angedeutet, finde ich, dass der interessante Punkt der Demokratie dieser „Point of no Return“ ist, an dem man seinem Ärger Luft macht und die Gegenseite zu einem Kompromiß zwingt. Diese Empörung hat aber zu sehr zu einer Nachahmung von Parlamentsdebatten geführt, in denen so wundervoll gezeigt wird, dass nicht jeder Sprechakt ein Performativ ist. (Anders gesagt: dass Reden nicht immer Handeln ist)
Ich denke, bei aller Solidarität, dass etwas weniger „Basisdemokratie“ und dafür etwas mehr Entscheidungsfreude forciert werden sollte. Wenn sich das nicht ändert, wird die Kraft der Demokratie, die hier hervorgesprudelt ist, wohl zwischen den beiden Wiener Grundsätzen – einem empörten „Do könnt ja a jeda kumman!“ und einem ebenso empörten „Es muaß endlich wos gschehen!“ – verebben.

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Eine Antwort to “„Basisdemokratie“ als Schwäche”

  1. Charles Says:

    „Das sind für sich genommen (teilweise) schöne Ziele wie ich finde. Aber bei der Debatte um bessere Bildungsmöglichkeiten kann z.B. die Feministen- oder auch die Kapitalistenfrage bestenfalls eine sekundäre Rolle spielen.“

    Das kenne ich leider auch.
    Leute, die andere vor ihren Karren spannen, sie instrumentalisieren, um irrelevante, realpolitisch nicht tragfähige Forderungen zu stellen – oft von den Gruppen, die Du auch nennst.
    Das beobachtet man leider immer wieder bei Studierenden-Demonstrationen, die sich für bessere Bildungschancen einsetzen.

    (Der Vorwurf „man denke nicht an das große Ganze (neoliberaler Umbau der Gesellschaft etc.)“ trägt hier nicht. Es geht ja um spezifische Forderungenl, nicht um Fundamentalopposition.

    Gegen Studiengebühren!

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