John Stuart Mill über voraussetzungslose Moral

„Es wäre höchst verwunderlich, wenn die Menschen, wären sie sich einig, in der Nützlichkeit das Kriterium der Moral zu sehen, sich in keiner Weise auch darüber einig sein sollten, was nützlich ist, und nichts unternehmen würden, um ihre Vorstellung von Nützlichkeit ihren Kindern beibringen zu lassen und durch Gesetzgebung und öffentliche Meinung zu bekräftigen. Es ist nicht schwer, von jedem ethischen Prinzip zu beweisen, dass es in der Praxis scheitern muss, wenn man zugleich voraussetzt, dass allgemeiner Schwachsinn herrscht. Aber unter jeder anderen Voraussetzung muss die Menschheit im Laufe der Zeit feste Überzeugungen darüber gewonnen haben, wie sich verschiedene Handlungsweisen auf ihr Glück auswirken, und in den auf diese Weise überlieferten Überzeugungen findet sowohl die Masse der Menschen als auch der Philosoph die Gebote der Moral – der Letztere zumindest so lange, bis es ihm gelingt, bessere zu finden.“

aus: John Stuart Mill – Der Utilitarismus, Reclam. [Hervorherbung von mir]

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