Vielleicht muss man anders sprechen…

Viele neuere Denkbewegungen in der Philosophie umfassen den Gedanken, dass man ein neues Konzept von „Wahrheit“ braucht. So funktioniert die althergebrachte Korrespondenztheorie der Wahrheit einfach nicht mehr. Man kann nicht mehr so leicht sagen, dass das Subjekt die Gegenstände in seinem inneren abbildet und wahr ist die Aussage, wenn sie den Gegenstand richtig abgebildet hat. („Richtig“ heißt hier: Seinem Wesen entsprechend. ) Diese Idee der Abbildungswahrheit zu verlassen hatten schon die Strukturalisten vor. Hier, nach dem Linguistic Turn, sprach man schon von Worten, nicht von Dingen. Die Bedeutung der Worte stammt aus einer Struktur von Differenzen. Ein Wort ist prinzipiell durch das charakterisiert, was es alles nicht ist. Michel Foucault war ein Meister auf dem Gebiet dieser archäologischen Bedeutungsanalysen. Doch auch bei ihm blieb die Bewegung nicht stehen. Jacques Derrida sah ein großes Defizit an Foucaults Überlegungen und auch an denen des Strukturalismus: die Selbstanwendung klappte nicht. Wenn der Strukturalist von der Struktur oder dem sie wahrnehmenden Subjekt sprach, meinte er immer noch, das Wesen der Welt abgebildet zu haben. Innerhalb der Struktur mag Wahrheit beweglich sein, aber die Außenbetrachtung, dass sich die Struktur so und so verhält, die ist wahr. Man hat hier das Problem, so Derrida, dass man nie Fundamentlos beginnen kann.
An dieser Stelle kippt die Bewegung vom Strukturalismus in den Poststrukturalismus. Der Poststrukturalismus ist eine in seiner Definition sehr Unscharfe Denkbewegung. Der Großteil ihrer Vertreter wußte zu Lebzeiten nicht einmal, dass sie dieser Bewegung angehörten. Sie waren eher durch eine Fragestellung als durch ein Banner verbunden. Die Antworten die sie auf das Problem der Selbstanwendung gaben sind sehr unterschiedlich. Ich möchte hier vorläufig nur einen Antwortversuch nennen und weitere nach und nach ergänzen.
Jacques Derrida versuchte einen neuen Sprechmodus. Das Sprechen in Aussagesätzen hat offenbar nicht funktioniert, dort, wo man an die Grenze aller Aussagen gekommen war. Derrida begann seine Vorträge, vor allem die, wo er selber eine These vertrat, immer mit einer Antwortfloskel. Sein Aufsatz la différance beginnt mit dem Satz „Ich werde also von einem Buchstaben sprechen“. Damit ist schon auf einen immer vorausgängigen Hintergrund verwiesen. Die Denkgeschichte die den Strukturalismus hervorgebracht hat, hat im Weiteren zu solchen Problemen geführt, dass Derrida dem nun also antworten muss. Doch damit ist ihm bewußt, dass er keine letztgültigen Wahrheiten aussprechen wird, aber er persönlich fühlt sich genötigt, eine solche Antwort zu formulieren. Öfters beginnen seine Aufsätze oder Vorträge auch mit „vielleicht“. Auch das zeigt wiederum an, dass Derrida sich im klaren ist, dass er die Welt nicht letztgültig richtig abbilden wird, sondern er wird etwas formulieren, für das er, ganz subjektiv, meint, gute Gründe zu haben. Vielleicht wird man aber in Zukunft zu anderen Ansichten kommen…

(Weitere Antwortversuche die ich möglicherwiese darstellen werde sind von Lyotard, Levinas, Wittgenstein oder Rorty)

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