Entweder Hegel – Oder Kierkegaard

Sören Kierkegaards Frühwerk (und von Vielen als sein Hauptwerk bezeichnet) trägt den vielsagenden Titel „Entweder – Oder“. Schon der Titel ist eine Spitze gegen Hegel, wie auch der Inhalt des Buches im Allgemeinen. Der Titel ist eine Verneinung des Herzstückes der Hegelschen Logik, seiner Dialektik. Im Besonderen geht es um die Dialektik von Endlichem und Unendlichem (wie auch der von Einzelnem und Allgemeinen). Man beginnt beim Endlichen als These, setzt diesem die Unendlichkeit als Antithese entgegen und die Synthese ist ein Absolutes, das Endliches wie Unendliches umfaßt. Das Ziel aller Dialektik ist also das Absolute, anders gesagt ist es der eine Gott, der durch den Weltgeschichtlichen Prozeß zu sich selber findet. Deswegen mußte Gott in Gestalt von Jesus menschlich, d.h. endlich werden, um in sich die Endlichkeit mit der Unendlichkeit verbinden zu können. Im Endeffekt wird bei Hegels Dialektik also immer eine Größe übrig bleiben, – eine Einheit – die alle anderen Größen umfaßt.
Diesen Gedanken will Kierkegaard angreifen, doch so leicht ist die Sache bei ihm nicht. Kierkegaard will im Endeffekt auf die Wichtigkeit des Einzelnen als Einzelnen aufmerksam machen, der nicht einfach so im Allgemeinen aufgeht, wie es die Hegelsche Dialektik nahe legt. Der Mensch würde dabei  als Subjekt und individuum verschwinden, es gäbe nur noch abstrakte Größen. Um darzustellen, dass es im Leben doch immer einen Unterschied macht, wer wann was sagt oder auf etwas antwortet, schreibt Kierkegaard immer in Pseudonymen. In „Entweder – Oder“ sind es derer vier.
Victor Eremita findet der Geschichte nach einen Haufen Schriften in einem Geheimfach seines Schreibtisches. Schon dieser erste Name ist ein Hinweis. Diese Schriften sind scheinbar dreigeteilt und Eremtia läßt sie als Buch drucken.
Der erste Teil ist von einem Namenlosen, der das ganze Leben als Kunst leben möchte – einem Ästheten, der A genannt wird. Dieser A nun schreibt einige Texte über Kunst und vor allem über Mozarts Don Giovanni. Weiters erklärt er sich zum Herausgeber eines „Tagebuches des Verführers“, dessen Urheber ein Johannes sein soll. Dieses druckt A am Anschluß an seine eigenen Darstellungen ab. Ob diese beiden Personen nicht doch eine sind, bleibt unzweifelhaft zweifelhaft.
Dem A nun antwortet der zweite Teil von „Entweder – Oder“, den ein gewisser B verfaßt und an A gerichtet hat. B nennt sich selbst einen Beamten und vor allem einen Ehemann und steht für die Lebensart eines Ethikers. „Entweder – Oder“ ist also in drei Teile geteilt, die am Ende als getrennt stehen bleiben, ob B den A überzeugt hat oder umgekehrt, wird nicht geklärt. Eben diese beiden unvereinbaren aber gleichwohl gleich wichtigen Teile des Buches sind schon ein Hohn auf Hegels Dialektik.
Die Lebensformen des Ästhetischen und des Ethischen/Religiösen sind bei Kierkegaard das Hauptthema. Der Ästhet lebt nur als Einzelner, alle Allgemeinheiten sind ihm ein Graus. Er lebt nur für die höchsten Momente der Lust, die er ästhetisch genießen möchte, ganz wie Don Giovanni reine Lebenslust ist, ohne durch ethische Bedenken gehemmt zu werden. Denn erst durch das Ethische, durch die Erinnerung und die Reflektion kommt das Allgemeine ins Spiel. Doch das hemmt für den Ästheten das Leben des Einzelnen. Der Ethiker versucht dem Ästheten nun zu zeigen, dass man auch im Allgemeinen in Leben leben kann, dass es wert ist, gelebt zu werden. Der Ethiker muss dafür vom Leben als einem Erobern von Lustmomenten abrücken zu einem Leben als Besitzen von Tugenden hin. Die höchste Stufe ist dann der religiöse Glaube, der aber mit der Vernunft nicht mehr zu erklären ist. Die Vernunft endet, wo das Ethische endet, alles darüber hinaus erfordert einen „paradoxen Sprung“ in den Glauben.
So viele Möglichkeiten für jeden Einzelnen…

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3 Antworten to “Entweder Hegel – Oder Kierkegaard”

  1. guter artikel, eine schöne zusammenfassung!

  2. freidenkerin Says:

    Vielen Dank für den schönen und guten Artikel. Da habe ich wieder etwas dazu gelernt, was mir stets große Freude bereitet. An Weihnachten habe ich begonnen, die DVD-Serie „Denker des Abendlandes“ zu sammeln, die auf BR-alpha ausgestrahlt worden ist und bin schon sehr gespannt auf diese Reise durch die Welt der Philosophie.

  3. Das freut mich, dass euch der Artikel gefällt : )

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