Religion als Hobby?

Nachstehender Text beschränkt sich großflächig auf die Religion „Christentum“, die Idee der Privatisierung gilt aber für alle Religionen.
Analytische Philosophen äußern sich aktuell recht spärlich über Religion. Eine Ausnahme stellen (Neo)Pragmatisten und Hermeneutiker dar, im Allgemeinen eher Philosophen, die der „ordinary language philosophy“ angehören. Denn bei diesen kann die Religion leicht in das normale Leben der Menschen integriert werden – es ist ein Sprachspiel unter vielen, das gespielt werden kann, aber nicht muss.
Ganz in diesem Kontext stehen sich hier zwei Meinungen gegenüber.
Soll die Religion privatisiert werden, also quasi zu einem Hobby werden, oder soll sich die klerikale Struktur weiterhin in politische Aspekte, die das Leben aller bestimmen, einmischen?
Ich denke, dass letztendlich die Befürworter einer Privatisierung die besseren Argumente haben. Auch wenn es auf den ersten Blick ein wenig so wirkt als wolle man die Religion verbannen, würde eine privatisierte Religion doch auch Vorteile genießen. In einer liberalen Demokratie darf der Staat in die privaten Freiheiten des Menschen nicht eingreifen, sie nur dort regulieren, wo eine private Freiheit die privaten Freiheiten anderer einschränkt. In diesem Sinne hätten Menschen, die zuvor der Institution „Christentum“ angehörten, keine Probleme mehr mit Kondomen, mit gleichgeschlechtlichen Ehen, mit dem Zölibat und so weiter. Denn in seinem Privaten Bereich darf jeder Leben wie er es für richtig hält – manche können predigen und dabei eine Frau lieben, andere entscheiden sich für das Zölibat, etc.
Die Religion – sprich die Amtskirche – müsste natürlich auf der anderen Seite einsehen, dass ihr allgemeiner Einfluss, ihre Macht und ihr Geld nicht der Sache der „liberalen Religion“ entsprechen. Auch Werte dürften beispielsweise nicht mehr religiös begründet werden.
In der heutigen Zeit – dem Zeitalter der Interpretation – gilt z.B. für Richard Rorty die Nächstenliebe höher als die Religion, die diese Nächstenliebe stark gemacht hat. Natürlich hat das auch damit zu tun, dass Rorty sich als „religiös unmusikalisch“ bezeichnet.
Ich denke auch, dass die Nächstenliebe allgemein dem Zusammenleben aller Menschen per se hilft, die mystische Komponente der Religion hilft denen, die sich angesprochen fühlen – aber eben nur jenen. Jeder darf die Hobbys haben, die ihm gefallen und erfüllen. Eine „mystische Religion“ die diejenigen, die sie frei ausüben erfüllt, das wäre doch etwas Schönes.

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2 Antworten to “Religion als Hobby?”

  1. Heavy Heavy Low Low Says:

    Zustimmung. Religion hat in öffentlichen und politischen Kreisen nichts zu suchen – wer allerdings privat damit zu tun haben möchte, sei daran nicht gehindert.

    Das Problem an der Sache ist bloß, dass die Religion dann immer noch meinungsbildenden Einfluss auf die Leute nehmen würde, die sie freiwillig konsumieren. Und wer garantiert mir, dass genau diese Leute nicht im Parlament sitzen und die christlich propagierten Wertvorstellungen quasi direkt in die Gesetzgebung tragen?

  2. Das eine Religion Einfluss auf die Meinung nehmen kann ist nicht unbedingt etwas schlechtes. Das zb im „privatisierten“ Christ-sein immernoch die maxime der Nächstenliebe vorkommt und sich diese auch auf anderes auswirken kann, wäre immernoch etwas gutes. Wo es schädliche Auswirkungen für die privaten Freiheiten anderer hätte, müsste der Staat so oder so eingreifen, egal was die Quelle der schädlichen Auswirkungen sei.

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