Über ein Paradox

Was mich an vielen Gläubigen stört, vor allem den meisten Theologie Studenten die ich im Zuge meines Studiums treffe, ist dieses latente stille arrogante Lächeln des in der Gnade stehenden. Dieses Lächeln tritt bei denjenigen auf, die eigentlich gar nicht wissen, warum es in Sachen Religion einen Grund zur Freude gibt.
Ein wichtiger punkt des Glaubens ist der, um es mit Kierkegaard zu sagen, paradoxe Sprung in den Glauben. Wenn Glauben im Fundament etwas mit Logik oder dem Verstehen zu tun hätte, dann hieße es Wissen und in weiterer folge Wissenschaft, und nicht Religion. Daran scheitern auch alle Gottesbeweise rein methodologisch.
Wenn einem dieser Sprung über den Abgrund gelungen ist, ist man wahrhaft zu beneiden. Kierkegaard versuchte sein Leben lang, diesen Sprung zu tun, was man heute sagen kann, gelang er ihm niemals. Zumindest hat er keine Schrift dazu hinterlassen.
An Kierkegaard muss ich vor allem denken, wenn ich mit einem Theologiestudenten rede(n muss), die einen dann immer gütig lächelnd anblicken, mit ein wenig Schmerz im Blick. Der Schmerz darüber, dass ich armes Schäfchen mich auf einen Irrweg (den der Philosophie) begeben habe.
(Auch Klosterschwestern und Priester haben oft diesen Pathos, es ist wohl von einem lange geschulten Abwehrmechanismus, damit man sich nicht mit dem Unglauben der anderen menschlich konfrontieren muss.)

Diese lächelnde Gestik oder diese arrogante Geisteshaltung kann aber nur dann eintreten, wenn man zwar meint, man sei tief gläubig (was auch immer das bedeuten mag) aber den Sprung ins Paradox (noch) nicht gewagt hat. Ansonsten würde einem der Fehler sofort auffallen: Wenn Glauben etwas ist, das mit Vernunft nicht primär zu erfassen ist, warum kann man aus dem Munde dieser „Gläubigen“ dann Vernunftargumente hören? Mir scheint dieser Sorte Schwätzer liegt mehr an dem Überlegenheitsgefühl als an wirklichem Glauben. Um ein Beispiel für meinen giftigen Verdacht zu bringen: „Ich habe die Antwort auf alle Fragen, auch auf die, die du noch gar nicht stellen kannst, durch Gott gefunden. Ich habe Mitleid mit dir, dass du noch nicht so weise bist, aber keine Sorge du wirst Gottes Willen auch noch erkennen, wenn du bereit dafür bist. Du musst dich nur darauf einlassen!“

Glauben ist keine so einfache Aufgabe, man wartet nicht einfach bis man von der Weisheit erfüllt ist. Kierkegaard hat immer versucht zu glauben. So lange bis er vor Erschöpfung starb und er hat es seiner Meinung nach nie geschafft. Ich meine er war einer der gläubigsten Menschen die es überhaupt nur geben kann.

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2 Antworten to “Über ein Paradox”

  1. idareed Says:

    Ich denke du hast eine wichtige Unterscheidung vergessen: Nciht Kierkegaard, sondern Johannes de Silentio hat in „Furcht und Zittern“ von sich behauptet, er könne sich nicht in den absurden Glauben fallen lassen. Kierkegaard wollte seine Synonyme ernst genommen wissen, da er durch sie immer nur Rollen verkörperte. Er benutzte sie maieutisch, als „sokratische Masken“, um den Leser in die Wahrheit hineinzutäuschen. Das war keine Spielerei, sondern absolut notwendig; denn über das Paradox lässt sich nichts sagen, nichts wissen, nichts denkend weitervermitteln- Logik und Verstehen haben hier nichts zu suchen, wie du ja selbst sagst.
    Abgesehen davon bin ich deiner Ansicht, tief gläubige Menschen prahlen wohl eher nicht mit ihrem Glauben, und wenn sies doch tun, dann ist da etwas faul…

  2. Ich habe diese Genauigkeit vergessen und doch wieder nicht. Denn ich habe schon daran gedacht, es zu erwähnen, dass Kierkegaard diesen Text durch eine seiner Masken sagen lies. Ich glaube aber, dass, auch wenn es eine Maske ist, Kierkegaard doch derjenige ist, der sie trägt. Das abkapseln des Autors vom Inhalt ist, meiner Meinung nach, kein sinnvolles Unterfangen. Tatsächlich vergessen habe ich aber den Hinweis darauf, dass kierkegaar ddiese vorgehensweise hatte, also danke für die wichtige Erinnerung. : )

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