Rorty über den Ethos des Philosophen

„Dichter und Romanciers hatten nun anstelle der Prediger und Philosophen die Aufgabe der moralischen Erziehung der Jugend übernommen. Infolgedessen entfernte sich die Philosophie um so mehr von der übrigen Kultur und erschien in ihrer hergebrachten Anmaßung umso absurder, je ‚wissenschaftlicher’ und ‚strenger’ sie wurde. Versuche von seiten der analytischen Philosophen und der Phänomenologen, dies zu ‚begründen’ oder jenes zu ‚kritisieren’, stießen bei den Betroffenen, deren Tätigkeiten vermeintlich begründet oder kritisiert wurden, auf bloßes Achselzucken.“

aus: Richard Rorty – Der Spiegel der Natur. Eine Kritik der Philosophie, Suhrkamp

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4 Antworten to “Rorty über den Ethos des Philosophen”

  1. Hallo :-)
    Vielleicht schmort Rorty ja nur noch im eigenen Saft. Als Gegenbeispiel zu dem was R. sagt ein Zitat aus Wikipedia zum gesellschaftlichen Engagement V.Hösles, eines analytischen Philosophen und objektiven Idealisten. Das Zitat zeigt, daß man den Rat von Philosophen, die etwas Substanzielles zu sagen haben, an entscheidenden Orten schätz und benötigt.

    „Neben seiner akademischen Tätigkeit war und ist Hösle auch auf vielfältige Weise gesellschaftlich engagiert. Seit 1986 hat er mehrere Expertisen für das Bundeskanzleramt verfasst, in denen er sich u.a. kritisch über den Zustand der zeitgenössischen Philosophie äußert. Im Herbst 1987 arbeitete er in Rom für das italienische Staatsfernsehen RAI den Rahmen eines unter der Schirmherrschaft des Europarates stehenden Projektes aus, philosophische Fragen für das Fernsehen darzustellen. Seit 1989 hält er darüber hinaus Seminare für Führungskräfte aus der Wirtschaft. 1990 war er Mitglied der Kommission von Hoechst zur ethischen Bewertung der „Abtreibungspille“ RU 486. Seit 1990 ist er Mitglied der DAAD-Kommission für Südeuropa. Von 1993 bis 1996 war er Mitglied des Gesprächskreises „Ökonomie-Ökologie“ des baden-württembergischen Umweltministeriums“

  2. Dieses Zitat stammt aus Rortys erstem Werk, an dem er mit den bisher von mir hier vorgestellten Gedanken noch nicht viel zu tun hatte (er hatte die Verabschiedung einer Wahrheit erst in grundzügen entwickelt). In dieser Arbeit ging es ihm vor allem darum, das „Mentale“ als geschichtliche Größe darzustellen und damit die „Lehre der Gewissheit“ die auf dem Mentalen aufbaut – die Philosophie.

    Noch dazu ist Herr Hösles Engagement ein anderes als das hier angesprochene – er hat sich, soweit ich dies hieraus erkenne, wohl als Mensch engagiert, nicht als „analytischer Philosoph“ der die Meinungen der anderen mit einem philosophischen Gestus als „Scheinprobleme“ identifiezieren wollte.

    lg

  3. Ich habe Hösle vor Jahren in einer Vorlesung erlebt und einige seiner Bücher „in der Hand gehabt :-) „. Ich denke, daß sein Rat als Philosoph gefragt war. Er ist ein Vertreter des objektiven Idealismus und der Letztbegründung, der substantielle Urteile formuliert und nicht nur relativistische Positionen. Ein Verehrer Platos!
    Viele Grüße!

  4. Ist ja auch einer „erlaubte“ Meinung ; ) Habermas zb, zeitlebens ein guter Freund Rortys ist auch ein überzeugter Vertreter der von Kant kommenden Letztbegründbarkeit der Wahrheit.

    Ob hier jemand überhaupt in seinem eigenen Saft spritzt bleibt genau so offen wie ob sich jemand von der objektiven Letztbegründung im Stile Platons überzeugen lässt wenn er anderer meinung ist.
    Das ist ein spannendes Thema, vielleicht mache ich zur „Überzeugungsarbeit“ noch einen gesonderten Eintrag…

    lg

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