Ist da Jemand?

In Sachen Bewusstseinsforschung gibt es, vor allem, zwei große Gebiete. Erstens die Neurologen, die sehr naturwissenschaftlich arbeiten für die ein Mensch ein Gehirn ist. Und andererseits die Gruppe die ich „Erlebende“ nennen möchte, für diese ist ein Mensch mehr als einzelne Teile.
Die erste Gruppe ist recht bekannt, geistert sie doch ununterbrochen durch die wissenschaftliche Presse, mit dem Anspruch, die großen Probleme alle gelöst zu haben – denn die Antworten liegen alle im Gehirn. Es hängt alles davon ab, wann welche Neuronen wo und wie feuern, man kann jeden Bereich des menschlichen Lebens unter diesem Aspekt betrachten. Er will Erklärungen dafür bieten, warum es einen Gott gibt, warum es keinen Gott gibt, warum es kein Ich gibt, und warum sich eine Menschenmasse wie ein zähflüssiger Schleim verhält.
Die andere Seite, die Erlebenden haben einen anderen Zugang. Sie schrammen teilweise hart an der Glaubwürdigkeit entlang, an solchen Stellen, wo versucht wird, beispielsweise Quantenmechanik mit Buddhismus zu verbinden („Hey, in beiden Systemen kommt das Wort Leere vor, da muss es einen Zusammenhang geben!“).
Ein großer Teil dieser Gruppe wird von Mystikern gestellt, die etwas Wirkliches und tief Beeindruckendes erlebt haben, das sich nicht leugnen oder darstellen lässt.
Spontan wirkt die „ehrliche“ Fraktion (also nicht die esoterischen Räucherstäbchenbuddhisten die das Wort „Quantenmechanik“ kennen) der zweiten Gruppe realer. Wenn jemandem ein Hirnforscher erzählt, dass es kein Ich gibt, sondern nur die Alltägliche Simulation einer Welt und einer Person in einem grauen Klumpen Materie, dann kling das nicht so prickelnd. Wenn ein Mystiker die (vermeintlich) selbe Geschichte in einem anderen Vokabular und anderem Kontext erzählt, klingt sie spannend. Da geht es dann um das Verschmelzen mit dem Sein oder Gott und Zuständen, in denen Zeit und Raum ihre Bedeutung verlieren.
Beide „Sprachspiele“ sind in ihrer Weise denke ich sehr interessant und hilfreich. Aber sie lassen sich wohl nicht gegeneinander Ausspielen, wie es beispielsweise Forscher erreichen wollen, die nun, da alles Gehirn ist, das Ende der Religion und der Ethik und allem anderen forcieren wollen.

Wenn ich das Buch „Being No One. The Self-Model Theory of Subjectivity” von Thomas Metzinger erstanden habe, werden sich wohl noch mehr Einträge um dieses Gebiet drehen.

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