John Searle zum Thema Freiheit

John Searle hat in seiner Vortragsreihe „Freiheit und Neurobiologie“ (herausgegeben von suhrkamp) einige Interessante Gedanken aufgeworfen, aber noch leider nicht ausgebaut. Searle schreibt zu Beginn ganz richtig, dass etwas nicht stimmt, wenn uns in der Philosophie ein Problem unlösbar erscheint, wir aber in der Praxis gar kein Problem damit haben. Genau so sei es mit der Freiheit und dem Bewusstsein. Wieso stellt es uns vor ein philosophisches Problem, ob wir dem Arm wirklich heben können, wenn wir es wollen, wo wir es faktisch doch immer tun? Hier stimmt also etwas mit der philosophischen Theorie nicht. Die Philosophie soll immer noch nach der Realität richten, nicht die Realität der Philosophie angepasst werden.
Searle erklärt in einem ersten Schritt zur Willensfreiheit das alte Körper/Geist Problem als cartesianisches Erbe. Dieses ist Vergangenheit, sobald man Bewusstsein als Prozess verstehe, nicht als Entität. Der sehr gute Vergleich mit einem Rad veranschaulicht diese Position sehr gut: Das Rad besteht aus Molekülen (vgl Neuronen), die dem Rad alle zusammen seine Gestalt geben (vgl Gehirn). Durch die besondere Anordnung der Moleküle hat das Rad eine gewisse Festigkeit (vgl Bewusstsein) und kann daher Rollen. Ein Anderer Vergleich: Das Gehirn ist wie der Ozean, das Bewusstsein wie die Wellen.
Im zweiten Schritt wird beschrieben, dass unser Gefühl der Freiheit von drei „Lücken“ herrührt. Diese befinden sich zwischen Gründen für eine Entscheidung und dem fällen der Entscheidung. Eine andere gefühlte Lücke ist zwischen fällen der Entscheidung und Beginn der Handlung und die dritte ist bei längeren Wirkzusammenhängen zwischen Anfang und Ende der Handlung. Als Menschen können wir unseren Freien Willen deshalb nicht wegdenken, selbst die Leute, die von vollständigem Determinismus überzeugt sind, können nicht anders. Doch wie passt dies mit einer determinierten Welt zusammen?
Searle verweist hier auf neuere Erkenntnisse in der Quantenmechanik. Diese würden zeigen, dass auf kleinster ebene nichts determiniert ist und möglicherweise sei dies der Ort der Freiheit.Nun finde ich das ein wenig schade. Searle spielt hier den „Joker der Quantenmechanik“ aus, der nur zu gerne überstrapaziert wird. Auf der einen Seite ist es ein spannender Ansatz, auf der anderen Seite wird es hier einfach noch zu plump in den Raum gestellt. Besser wäre es gewesen, einen Physiker zur Heisenbergschen Unschärferelation als Grund der Freiheit zu befragen und ob dieser theoretische Ansatz für die Freiheitsdebatte überhaupt urbar gemacht werden kann. Denn dieses gebiet widerspricht so grundlegend jeder Intuition und jeder theoretischen Modellbildung, dass die Anwendbarkeit fraglich erscheint.
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