Ein Ich und die Erinnerung

Oliver Sacks, ein Neurologe aus England, beschreibt in seinem Buch „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ den Fall eines Mannes, der die Erinnerung an 30 Jahre seines Lebens verloren hatte. Seine Zeit blieb an einem Tag in der Vergangenheit einfach stehen, alles womit er neu konfrontiert wurde, hatte er nach einigen Sekunden wieder vergessen. Sacks vergleicht diesen Mann mit der Vorstellung Humes, der Mensch sei nur eine schnelle Abfolge von Perzeptionen.
Hume hatte durch seinen Erkenntnistheoretischen Ansatz, dass er nur als Gegenstand des Wissens erfassen konnte, was auf einem Eindruck basierte, ein Problem mit dem „Ich“. Dieses sei nämlich keine Vorstellung, die durch einen Eindruck hervorgerufen werde, so kann es kein Wissen von einem Ich geben. Daher gäbe es nur eine schnelle Abfolge von Wahrnehmungen, zu der wir eine unveränderliche Substanz dichten, weil wir es so gewohnt sind.
Sacks sieht in dem oben beschriebenen Mann, meiner Meinung nach zurecht, den lebenden Beweis, dass man das Ich nicht auf Hume’sche Art wegdenken kann. Wenn man das in der Abfolge von Perzeptionen unveränderliche Ich verneinen will, dann hat man einen Menschen, der keinerlei Erinnerung an sein Leben hat und relativ lustlos und gleichgültig durch „irgendein“ Leben trottet, dass ihn nicht berührt oder berühren kann.
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