Newberg und Dawkins

„Religion“ – was bedeutet das eigentlich?
Gleich zu Beginn der Religionswissenschaft steht ein Dilemma. Wie will man denn den Gegenstand der Forschung am besten beschreiben? Es ist aber auch ein Problem für Kritiker, die nicht so recht Wissen, wogegen sie akademische Schimpftiraden führen, wenn sie „wider der Religion“ schreiben (wie es so schön am Buchumschlag von Dawkins Buch „Der Gotteswahn“ geschieht).
„Religion ist die Anbetung eines Gottes“ ist eine weit verbreitete Ansicht. Doch nicht alle so genannten Religionen beten zu einem personalen Gott. Der Daoismus zb kennt nur das unpersönliche Prinzip hinter allem. „Religion ist der Glaube an Geistige Wesen“ ist ebenso eine Spielart davon. Man kann nun einige Kniffe Anwenden, vor dem Problem kann man aber nicht flüchten. Das lateinische Wort „religio“ wird bei Cicero im Sinne von „kultische Handlungen richtig ausführen“ benutzt.
Meiner Meinung nach ist der Versuch, den Andrew Newberg in „Der gedachte Gott“ unternimmt, nicht schlecht. Er stellt einen, im Gehirn situierten, spirituellen Moment der Selbsttranszendenz an den Beginn. Aus diesem Entwickeln sich Mythen, Rituale und letztendlich Mystik. Die Mystik ist der Grundstein für die Religion, die als persönliche Erfahrung einer höheren Seinsebene verstanden werden will (oder als einige Gehirnvorgänge, er ist hier unschlüssig). Alles in allem ist die Religion also vor allem ein System, dass die Existenzängste des Menschen beantworten soll, die von selber niemals aufhören zu bohren.
Mit dem dabei verwendeten Gottesbegriff (Gott als höchstes Sein) wäre wohl auch Dawkins einverstanden, der im „Gotteswahn“ zu Beginn auch gleich angibt, dass er nicht gegen einen so verstandenen Gott schreibt. Er tut sich meiner Meinung nach nur schwer, sich von der Vorstellung eines personalen Gottes, der in allen Religionen beheimatet sein muss, zu lösen. Er verwendet schlicht eine andere Definition von Religion. Er versteht unter Religion weitgehend die im englischen Sprachraum sehr verbreiteten Kreationisten, Fundamentalisten und Konsorten.
Man sieht also, die richtige Definition eines Religionsbegriffes ist wichtig, hier ist Konfliktpotential vorhanden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: