Anthropologie

Die Frage nach der Bestimmung des Menschen konnte von der Anthropologie nicht geklärt werden. In der Forschung hat man sich heute also darauf geeinigt, einen an manchen stellen unscharfen Begriff zu verwenden, und diesen gelten zu lassen, wer über jene Grenzfälle etwas sagen will, der benützt einen dem entsprechenden Begriff, der wieder an anderer Stelle unscharf ist und sich nicht mit den anderen deckt. So geht es dahin.
Die Frage „Was ist der Mensch?“ wird also zu der Frage „Was ist der Mensch in einer bestimmten Situation?“.
Eine Allgemein gültige Antwort wäre schön, aber es geht uns ähnlich wie dem Parmenides, der auf der Suche nach Wahrheit bis zum einzig wirklich wahren gekommen ist – das Sein ist. Diese Wahrheit wird für manche als Gedankenmonolith schön anzusehen sein, den meisten in ihrem Leben aber nicht weiterhelfen.
Versuche einer Definition von philosophischer Seite waren unter anderem im groben: der Mensch ist ein Politisches Wesen, der Mensch ist das Wesen mit Verstand, der Mensch ist das Wesen, dass Sprache hat, ein Mensch ist ein eigenbewegtes Wesen mit Innen/Aussen Trennung, der Mensch ist das Mängelwesen (=das Lernen muss), der Mensch ist das Wesen, das Ethik, Metaphysik und Religion betreibt, das Wesen, das Freiheit hat und so weiter.
Allen diesen Konzepten ist gemeinsam, dass seit der Geburt Benachteiligte, Neugeborene oder Komapatienten demnach keine Menschen sind. Man könnte eine rein biologische Definition für den Menschen versuchen, diese ist aber in seiner Lebensrealität auch nicht treffend, ähnlich dem vergleich Platons, Sokrates sitze nicht im Gefängnis, weil er Sehnen und Knochen habe.
Ein Sinnbild, das des Öfteren eine bessere Alternative darstellt, halte ich bei diesem Problem nicht für zielführend. Eine unscharfe, ungefähre Ahnung hätte man nun auch schon, aber es stellt einen, wie man sieht, vor genügend gewichtige Probleme.
Das Problem mit all diesen Konzeptionen stellt wohl dar, dass sie das Menschsein als ein aktives Prinzip fassen, was aber bei oben genannten Problemfällen nicht funktioniert.
Mögliche Idee: „Der Mensch ist das Wesen, das von anderen Menschen als Mensch anerkannt wird.“

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5 Antworten to “Anthropologie”

  1. Und was ist mit den Kolonialherren, die Schwarzafrikaner als Affen, nicht als Menschen anerkannt haben?

  2. Einerseits: aus heutiger Sicht ist es natürlich wichtig, einen „aufgeklärten Menschenbegriff zu haben.
    Andererseits: Durch eben diesen Ausschluss waren diese Schwarzen für die öffentlichkeit eben keine Menschen mehr. Hier sieht man gut die Meinung als Konstitutive Macht, die ich meinte.

  3. wie war des noch einmal mit objektiven werten ; )

  4. Charles Says:

    Dein Vorschlag mutet nach Hegel an.
    Interessant ist er, da er dem Umstand Rechnung trägt, dass man erst gar nicht versuchen sollte, sich auf einen `äußeren´ Standpunkt (Gottesstandpunkt) zu stellen, um von ihm aus auf Menschen herabzublicken und deren Natur zu ergründen.
    Leider ist ja der Betrachter, der Beschreibende selbst Mensch.
    Dies ist ja auch der Tenor, den Heidegger und Wittgenstein in ihrer Wendung zum Praktischen hin vollzogen haben.
    Dann müßte allerdings, ganz nominalistisch, die Frage Was ist der Mensch? in Was ist dieser einzelne Mensch? umformuliert werden (Einmaligkeit, Einzigkeit, die von den Naturwissenschaften konstatiert wird).
    Dazu vergleiche man auch die sehr schönen Ausführungen von Hannah Arendt gleich zu Beginn der Vita Activa, die die Frage Was ist der Mensch? in eine eher persönliche Frage umformuliert: „Wer sind wir[?] (S. 17 in Vita activa oder vom tätigen Leben, Stuttgart 1960)

    In der Aufzählung nicht zu vergessen wäre außerdem Nietzsches Vorschlag: Der Mensch ist das Tier (!), das Versprechen kann.

  5. Ich persönlich habe glaube ich kein Problem damit, die Frage nach dem Menschen im allgemeinen fallen zu lassen und nach einzelnen Menschen zu fragen und wie sie sich selbst zu dem verwirklicht haben, was sie sind. Und im weiteren ob sie mir daher als Vorbilder dienen können.

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