Heraklit und das Weltgesetz

Heraklit lebte in Ephesos und war etwas älter als Parmenides (welcher sich oft ablehnend auf Heraklit bezog). Er stammte aus einer aristokratischen Familie und war der Demokratie, der Herrschaft der Viel-zu-Vielen abgeneigt. So gab er auch freiwillig alle angebotenen Ämter und Gelder auf, um zurückgezogen ein Einsiedlerleben zu führen, mit Kindern zu spielen und „dunkle“ Schriften zu verfassen.
Seine Schriften werden oft als „dunkel“ und „schwer zugänglich“ beschrieben, auch da nur Fragmente erhalten sind. Man muss besonders an die Sache herangehen und nicht wörtlich lesen, was geschrieben steht. Die meisten der überlieferten Texte handeln davon, dass das Allgemeine höher zu werten ist als das Einzelne. Das Allgemeine war für Heraklit der Logos (oder Weltgesetz oder Äther) der alles durchzieht. Da auch Heraklit, ähnlich wie Parmenides, nicht frei von materialistischem Denken war, stellte er sich das Allgemeine, das über allen Gegensätzen stand auch materiell vor – das Weltgesetz wirkte durch das Feuer, das war das beste der Elemente. Jedoch sprach er den anderen Elementen nicht ihre Realität ab wie Parmenides, nur ihre Dauerhaftigkeit. Es gibt Einzeldinge so Real wie es sie nur geben kann, aber sie werden sich verändern, sie werden in ihre Gegensätze umschlagen und immer so weiter. Das war das Weltgesetz. Diesen Logos, diese Kunde vom Weltgesetz hören, das war es, was Heraklit am wichtigsten war. Die Vielen verstehen nicht, sie sind wie Schlafende, die alle eine eigene Welt zu haben glauben in der es keinen Tod gibt. Heraklits anliegen war es, aufzuzeigen, dass alle Gegensätze auf einem Prinzip basierten (ähnlich wie Laozis Dao). Der wohl wichtigste Gegensatz war ihm der von Leben und Tod. Wer also das Weltgesetz verstand, auf den Logos hörte, der verstand, dass zum Leben der Tod gehört, wie der Tag zur Nacht gehört.
Wenn so alle Gegensätze überwunden sind, sind die großen (uns bekannten) philosophischen Probleme der damaligen Zeit gelöst: Es gibt eine Wahrheit (denn der Transzendenz gestand er, anders als Parmenides, keine Realität zu) und man hatte eine Richtlinie, wie Einzelner und Staat sich zueinander verhalten sollten.

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Eine Antwort to “Heraklit und das Weltgesetz”

  1. Es gibt nur eine Möglichkeit, diese Problematik zu verstehen, indem man die Perspektive anthropologisch ausweitet. Den historischen Quellen fehlt die Rerferenz zu den neolithischen Konditionen, die wir nur noch als ‚traditional survival‘ rekonstruieren können.

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