Parmenides und das Sein

Zenons Paradoxien sind eher bekannt: es kann keine Bewegung geben. Denn wenn man zum Beispiel den Raum verlassen wollen würde, dann müsste man dazu zuerst einen Schritt zur Türe machen. Bevor man einen Schritt machen kann, muss man einen halben Schritt machen. Bevor man einen halben Schritt machen kann, muss man einen Viertel Schritt machen, und so weiter, bis ins Unendliche.
Wenn es nach den Eleaten geht, dann ist dies ein nicht zu lösendes Problem in der Welt der Sinne. Die einzige Konsequenz die man daraus ziehen kann ist, dass die sinnliche Welt ein Trugbild ist, wie auch die Namenlose Göttin dem Wissenden in Parmenides’ Lehrgedicht erklärt. Sie führt aus, dass es drei Große Themengebiete gäbe: Es gibt das Sein. Es gibt das Nichtsein nicht. Und die Menschen wenden sich Doppelköpfig und blindsichtig mal dem einen, mal dem anderen zu. Nur der Erste Weg ist wirklich ein Weg.
Die „arché“ der ionischen Naturphilosophen wird hier aber nicht nur einfach mit „Sein“ ausgefüllt, es geht Parmenides auch um den Zugang zum Sein. Dieser ist das Denken. Denken ist immer Seinsdenken, jeder Gedanke ist ein Gedanke von Etwas, und damit auch jede Erkenntnis. Wahrheit ist also nur in der Welt des Geistes zu finden. Vom Nichts kann man  keine Wahre Erkenntnis gewinnen. Ein Werden kann es auch nicht geben, weil so müsste es Nichtsein und Sein geben. Wiederum ist die Sinnenwelt als Trugbild entlarvt.
Für diesen Problemkomplex gibt es verschiedene Lösungsversuche. Einer davon wird in Platons „Sophistes“ vorgestellt. Hier zeigt ein „Fremder aus Elea“ (ausgerechnet!) dass die eleatische Seinsauffassung das Problem hat, dass es Schein eigentlich gar nicht gibt, weil wenn man scheinbare Erkenntnis hat, hat man eben keine Erkenntnis von Etwas. Also müsste Schein nichts sein, und das darf man gar nicht denken. Man kann also gar nichts Falsches sagen. Wie kann man dann aber den Sophisten beikommen die für Platon ja ununterbrochen Falsches sagen?
Platons Lösung ist relatives Nichtsein, er führt die Idee der Verschiedenheit ein. So kann man einen Gegenstand quasi als „momentan Nichtseiend“ annehmen, ohne dass man sich in die Widersprüche des Parmenides verstrickt. Wenn etwas verschieden ist von dem was man sagt (ein Schein), dann ist es nicht so, aber es ist auch kein Nichts, es ist nur verschieden.
Ein anderer Weg, mit anderem Schwerpunkt, ist der den die Atomisten gingen, namentlich Leukipp und Demokrit. Sie führten in ihren Gedankenkosmos ein „a-tomos“ ein, ein Teilchen, das nicht mehr teilbar ist. Damit wird der unendliche Prozess unterbrochen, der nach Zenon für jede Bewegung notwendig ist. So kann man quasi Heraklits und Parmenides verschmelzen, und hat die Bewegung in der sinnlichen Welt wieder gewonnen, aber dem Problem des Scheins kommt man auf diesem Wege nicht bei.

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4 Antworten to “Parmenides und das Sein”

  1. Frank Baethge Says:

    Obwohl seine Untersuchung der Parmenidischen Schrift (Dialoge: „Parmenides“ und „Sophistes“) von weitaus höherer Qualität ist, als die plumpen Anwürfe, die etwa Aristoteles dagegen erhebt, hat doch auch Platon übersehen, dass jenes Problem vom Schein, der nicht Nichts sein kann und somit unter allen Umständen „Etwas“ – also „Seiendes“ sein muß, bereits in der Schrift des Parmenides gelöst ist.

    Dreimal weist die Göttin darauf hin, wie man sich diesem Problem zu nähern hat:

    1. „Darum sollst du auch alles erfahren: der wohl sich rundenden Wahrheit unerschütterliches Herz…“

    2. „Aber unbeweglich ruht es in den Grenzen gewaltiger Bande, ohne Anfang und ohne Ende; sind doch Entstehen und Vergehen in die äußerste Ferne verschlagen!“

    Und schließlich 3. und Wichtigstens: „So muß es denn aus Not schlechthin vorhanden sein oder überhaupt nicht.“

    Sicher glaubt hier niemand, die Kontravalenz in diesem Satz sei eingefügt worden, weil Parmenides zuviel Papier übrig hatte.
    Nein, das „Oder“ in diesem Satz ist zwar der Operator, doch ist es kein Operator im Sinne formaler Logik, sondern ein tatsächlicher Operator – ein Operateur. Dieses „Oder“ – das sind wir!
    „Oder“ ist es, der hier die Entscheidung zu treffen hat zwischen „überhaupt“ und „nicht“ und „überhaupt nicht“.

    Daher ist die Schrift des Parmenides kein Objekt für logische Fingerübungen, wie sie Platon im Dialog „Parmenides“ eindrucksvoll durchführte (womit zugleich erwiesen ist, dass Parmenides niemals persönlich an dieser Unterhaltung teilgenommen haben kann), sondern es ist ganz schlicht und einfach die Niederschrift einer Epiphanie, was auch erklärt, warum manche Leute sich des Eindrucks nicht erwehren können, es handele sich bei dieser Schrift um Fragmente.
    Desweiteren erklärt es, warum von Parmenides kein weiteres schriftliches Zeugnis existiert, denn diese Erklärung lautet: Es ist unnötig, weitere Gedanken zu fixieren, wenn durch die eine Schrift bereits alles erläutert wurde, was es über Sein, Werden und Nichts zu sagen gibt.

    Doch nun zur Lösung des Problems „Schein“:

    Dadurch, dass Nichts mit Notwendigkeit augeschlossen ist, drängt sich mit Macht der Gedanke auf, dass Sein nunmehr mit Notwendigkeit Eins, Unveränderlich, Unörtlich und Unzeitlich sein muß, um überhaupt zu sein.
    Die Erfahrung nun, dass Etwas scheinbar da ist, das sämtliche Eigenschaften aufweist, die dem notwendigen Sein abgesprochen werden müssen, könnte zunächst in der Tat als eine nur scheinbare Wahrheit abgewiesen werden.
    Doch bereits im darauf folgenden Gedanken beweist diese „scheinbare Wahrheit“ mit Macht ihre Unabweisbarkeit, indem sie auf die Notwendigkeit verweist, dass Nichts nicht ist und sie selbst (sei sie wahr oder nicht) somit ebenfalls nicht Nichts sein kann.
    Kann sie aber notwendig nicht Nichts sein, so muß sie ebenso notwendig vorhanden sein und bringt Sein in ein ungeheures Dilemma, indem sie darauf hindeutet, dass die notwendigen Eigenschaften von Sein, die dieses haben muß, um überhaupt sein zu können, ebenso notwendig nicht dessen Eigenschaften sein dürfen, wennanders man annehmen müßte, dass doch Etwas aus Nichts entsteht, was impliziert, dass man einer Unmöglichkeit nicht nur Möglichkeit, sondern Notwendigkeit bescheinigen müßte.
    Natürlich ist das ausgeschlossen.
    Denn hat sich nun mit Notwendigkeit eine scheinbare Unmöglichkeit herausgestellt – nämlich die, dass wahres Sein ebenso wahr sein muß, wie unwahrer Schein, so kann ich vor der genauen Untersuchung dieser paradoxen Situation erst einmal annehmen, dass beides zumindest vorhanden ist, weil es nicht Nichts ist und zusammengenommen das darstellt, was man „Alles“ nennen kann.
    Das darf ich deshalb tun, weil es lediglich darauf basiert, dass nicht Nichts ist und somit alles, was von Nichts verschieden ist, mit Notwendigkeit „Alles“ ist.
    Ist dieser Gedankenschritt vollzogen worden, ergibt sich die Lösung des Problems mit einer geradezu lächerlichen Einfachheit, denn nunmehr habe ich nur noch eines zu tun: Ich muß herausfinden, ob eine Konstellation denkbar ist, die, obschon sämtliche Eigenschaften der Scheinwelt enthaltend, dennoch nichts daran ändert, dass SEIN Eins, Unveränderlich, Unörtlich und Unzeitlich ist.

    Die einzig denkbare Konstellation, die das zu leisten vermag, lautet: NULL.

    Das bedeutet folgendes: Unser Universum kann genau dann so bunt und vielgestaltig sein, wie es will, wenn es so ausgewogen ist, dass die Differenz seines Werdens und Vergehens in jeglichem Augenblick exakt Null ergibt. Jede Aktion wird duch eine äquivalente Reaktion neutralisiert.

    Auf diese Weise kann das Universum, der Mensch

  2. Frank Baethge Says:

    Obwohl seine Untersuchung der Parmenidischen Schrift (Dialoge: „Parmenides“ und „Sophistes“) von weitaus höherer Qualität ist, als die plumpen Anwürfe, die etwa Aristoteles dagegen erhebt, hat doch auch Platon übersehen, dass jenes Problem vom Schein, der nicht Nichts sein kann und somit unter allen Umständen „Etwas“ – also „Seiendes“ sein muß, bereits in der Schrift des Parmenides gelöst ist.

    Dreimal weist die Göttin darauf hin, wie man sich diesem Problem zu nähern hat:

    1. „Darum sollst du auch alles erfahren: der wohl sich rundenden Wahrheit unerschütterliches Herz…“

    2. „Aber unbeweglich ruht es in den Grenzen gewaltiger Bande, ohne Anfang und ohne Ende; sind doch Entstehen und Vergehen in die äußerste Ferne verschlagen!“

    Und schließlich 3. und Wichtigstens: „So muß es denn aus Not schlechthin vorhanden sein oder überhaupt nicht.“

    Sicher glaubt hier niemand, die Kontravalenz in diesem Satz sei eingefügt worden, weil Parmenides zuviel Papier übrig hatte.
    Nein, das „Oder“ in diesem Satz ist zwar der Operator, doch ist es kein Operator im Sinne formaler Logik, sondern ein tatsächlicher Operator – ein Operateur. Dieses „Oder“ – das sind wir!
    „Oder“ ist es, der hier die Entscheidung zu treffen hat zwischen „überhaupt“ und „nicht“ und „überhaupt nicht“.

    Daher ist die Schrift des Parmenides kein Objekt für logische Fingerübungen, wie sie Platon im Dialog „Parmenides“ eindrucksvoll durchführte (womit zugleich erwiesen ist, dass Parmenides niemals persönlich an dieser Unterhaltung teilgenommen haben kann), sondern es ist ganz schlicht und einfach die Niederschrift einer Epiphanie, was auch erklärt, warum manche Leute sich des Eindrucks nicht erwehren können, es handele sich bei dieser Schrift um Fragmente.
    Desweiteren erklärt es, warum von Parmenides kein weiteres schriftliches Zeugnis existiert, denn diese Erklärung lautet: Es ist unnötig, weitere Gedanken zu fixieren, wenn durch die eine Schrift bereits alles erläutert wurde, was es über Sein, Werden und Nichts zu sagen gibt.

    Doch nun zur Lösung des Problems „Schein“:

    Dadurch, dass Nichts mit Notwendigkeit augeschlossen ist, drängt sich mit Macht der Gedanke auf, dass Sein nunmehr mit Notwendigkeit Eins, Unveränderlich, Unörtlich und Unzeitlich sein muß, um überhaupt zu sein.
    Die Erfahrung nun, dass Etwas scheinbar da ist, das sämtliche Eigenschaften aufweist, die diesem notwendigen Sein abgesprochen werden müssen, könnte zunächst in der Tat als eine nur scheinbare Wahrheit abgewiesen werden.
    Doch bereits im darauf folgenden Gedanken beweist diese „scheinbare Wahrheit“ mit Macht ihre Unabweisbarkeit, indem sie auf die Notwendigkeit verweist, dass Nichts nicht ist und sie selbst (sei sie wahr oder nicht) somit ebenfalls nicht Nichts sein kann.
    Kann sie aber notwendig nicht Nichts sein, so muß sie ebenso notwendig vorhanden sein und bringt Sein in ein ungeheures Dilemma, indem sie darauf hindeutet, dass die notwendigen Eigenschaften von Sein, die dieses haben muß, um überhaupt sein zu können, ebenso notwendig nicht dessen Eigenschaften sein dürfen, wennanders man annehmen müßte, dass doch Etwas aus Nichts entsteht, was impliziert, dass man einer Unmöglichkeit nicht nur Möglichkeit, sondern Notwendigkeit bescheinigen müßte.

    Natürlich ist das ausgeschlossen!

    Denn hat sich nun mit Notwendigkeit eine scheinbare Unmöglichkeit herausgestellt – nämlich die, dass wahres Sein ebenso wahr sein muß, wie unwahrer Schein, so kann ich vor der genauen Untersuchung dieser paradoxen Situation erst einmal annehmen, dass beides zumindest vorhanden ist, weil es nicht Nichts ist und zusammengenommen das darstellt, was man „Alles“ nennen kann.
    Das darf ich deshalb tun, weil es lediglich darauf basiert, dass nicht Nichts ist und somit alles, was von Nichts verschieden ist, mit Notwendigkeit „Alles“ ist.
    Ist dieser Gedankenschritt vollzogen worden, ergibt sich die Lösung des Problems mit einer geradezu lächerlichen Einfachheit, denn nunmehr habe ich nur noch eines zu tun: Ich muß herausfinden, ob eine Konstellation denkbar ist, die, obschon sämtliche Eigenschaften der Scheinwelt enthaltend, dennoch nichts daran ändert, dass SEIN Eins, Unveränderlich, Unörtlich und Unzeitlich ist.

    Die einzig denkbare Konstellation, die das zu leisten vermag, lautet: NULL.

    Das bedeutet folgendes: Unser Universum kann genau dann so bunt und vielgestaltig sein, wie es will, wenn es so ausgewogen ist, dass die Differenz seines Werdens und Vergehens in jeglichem Augenblick exakt Null ergibt. Jede Aktion wird duch eine äquivalente Reaktion neutralisiert.

    Auf diese Weise können der Kosmos, der Mensch oder der Yeti soviele Kapriolen vollführen wie sie wollen, ohne jemals etwas am ausschließlichen EINSSEIN des Seins zu ändern.

    Diese Null ist es, die man auch als einen „wohl sich rundenden Kreis“ ansehen kann, der sich um das „unerschütterliche Herz“ des einsseienden Seins herumwindet.
    Dass die Göttin dem Parmenides diese Konstellation nicht als Kreis sondern als „wohl sich rundende Kugel“ beschreibt, liegt ganz schlicht daran, dass unsere Welt nunmal nicht zwei-, sondern dreidimensional ist.

    Frank Baethge

  3. Friedrich Koplin Says:

    Wer ernsthaft sich um den Ursprung der Philosophie bemüht, kommt aus dem Staunen darüber nicht heraus, daß man einen Menschen der vorsokratischen Zeit als abendländische Denkgröße verehrt, der „die leerste aller Tautologien“ drischt: „Sein ist, Nichtsein ist nicht“; der von Hesiod abgeschrieben haben soll; an dessen gedanklichem Fassungsvermögen ernsthafte Zweifel erhoben worden sind. Und von denselben Wissenschaftlern wird er aber auf den höchsten Altar der Philosophie erhoben. Aus der Erkenntnis über das Lehrgedicht kann dieses merkwürdige Lob nicht kommen. Da hat wohl Platon mit seinem Dialog Parmenides denselben davor bewahrt, unter den Teppich der Philosophiegeschichte gekehrt zu werden. Aber nicht nur die ehrfürchtige Behandlung durch Platon hat Parmenides wohl vor der vernichtenden Kritik bewahrt, sondern auch seine deutlich erkennbare Funktion als der Inspirator Platons. So muß man sich wirklich fragen, – und dafür braucht der Studierende keine griechische Sprachfertigkeit -, wie ein solcher Phrasendrescher der Inspirator Platons werden konnte.
    Es kann also an der traditionellen tautologisch basierten Übersetzung des Lehrgedichtes etwas nicht stimmen. Dem Arzt und Priester Parmenides dürfen wir diesen tautologischen Unfug mit langer Tradition nicht unterstellen. Diese Studie hier setzt sich mit der Frage auseinander, wie es zu diesem tautologischen Gestammel seiner Interpreten gekommen ist. Aus dem Lehrgedicht heraus wird diese Studie eine Lösung zeigen, die zu einer komplett tautologiefreien Interpretation des Lehrgedichtes führt. Bis zum letzten Fragment.
    Des weiteren zeigt die Studie Lösungen der rein philologischen Probleme des Prooimiums an seinem Anfang und an seinem Ende; am Beginn des Fragment 2 wird das „fremde bukolische Element“ einer Lösung zugeführt; eine Vokabel im Vers 8.42, die traditionell auch von den größten Parmenideskritiker falsch übersetzt wird: „Grenze zuäußerst“ wird richtig übersetzt zu äußerster Erfahrung; ebenso wird die traditionell falsche Übersetzung im Fragment 12.2 korrigiert. Aus „schießt ein Teil Flamme“, so Hölscher, wird: nach Maßgabe der Flamme sich in Bewegung setzt Schicksal.
    Hölscher meint in dem Vorwort (S.7) zu seiner tautologisch basierten Behandlung des Lehrgedichtes: „Die Übersetzung ist also schon Interpretation“. Wenn das wirklich so ist, warum dann die öde und banale Tautologisiererei über 124 Taschenbuchseiten?
    Daß einem bei der Übersetzung das Interpretieren des Textes sich einschleichen kann, ist nicht das Problem. Die falsche Übersetzung aber damit zu begründen und zu vernebeln, ist schon seltsam.
    Der hier gefundene tautologiefreie Ansatz zur Interpretation des Lehrgedichtes braucht die vielen „Korrekturen“ und „Konjekturen“ nicht, die sich in der traditionellen Deutung breit gemacht haben. Sie werden alle wieder rückgängig gemacht. Der inflationäre Gebrauch philologischer Mittel bezüglich des Lehrgedichtes ist ein Gradmesser für das ihm entgegengebrachte Unverständnis. Das zeigt sich bei Hölscher in seinem letzten Satz seines Vorwortes, mit dem er die Ansicht kundtut, „daß es sich bei den Vorsokratikern zwar um etwas schwer Zugängliches, aber jedenfalls um etwas Einfaches handle.“
    Selbst wenn wir das komplette Lehrgedicht hätten, es wäre „schwer zugänglich“ und nicht „einfach“.
    Die tautologiefreie Interpretation macht das Verständnis dieses Gedichtes nicht einfacher. Denn das ganze spielt sich auf einem Bewußtseinsniveau ab, das wir heute eigentlich erst noch wieder erreichen müssen. Das Lehrgedicht liefert tiefe Einblicke in eine erste Erkenntnistheorie. Und aus dieser Perspektive entwickelt diese Studie hier den ontologischen und noologischen Gehalt des Noch-nicht-wirklich- Seins für das menschliche Denken. Die Studie über das Lehrgedicht zeigt, wie das Lehrgedicht das menschliche Denken gestellt sieht zwischen den Polen der geistigen Wirklichkeit und dem Noch-nicht- Wirklichen, zwischen moralischer Notwendigkeit (=Sein) und moralfreier schöpferischer Notwendigkeitsferne (=Noch-nicht-wirklich-sein). Der noologisch schöpferische Wert des „Nicht-Seins“ für das menschliche Denken (noesai Frg.2) ist von der Parmenidesforschung mit der Tautologie amputiert worden. Darüber, über diesen gefährlichen Vorgang, muß nachgedacht werden.
    Diese Studie mag unvollständig sein. Ihr tautologiefreier Ansatz aber ist nicht zu widerlegen.

  4. Friedrich Koplin Says:

    8.52 μάνϑανε ϰόσμον ἐμῶν ἐπέων ἀπατηλὸν ἀκούων
    8.52 Richte deinen Sinn, auf die Ordnung meiner Verse, wenn du trüglich hörst

    Lehrgedicht des Parmenides

    Niemand, kein Parmenidesinterpret, hat sich gefragt, was denn „die Ordnung meiner Verse“ ist! Alle haben sich vor der Antwort gedrückt.

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