Über den Menschen

„Als Charles Darwin die Evolutionstheorie formuliert hatte fiel es auch seinen Kritikern nicht schwer, uns Menschen als Wirbeltiere oder als Säugetiere wiederzuerkennen. Das wir aber von Affen abstammen sollten war nun wirklich zu viel, indes nicht als intelektuelle Überforderung, nein, rein emotional. Dies war schlechterdings zu starker Tobak.
Heute haben wir uns an den Abstammungsgedanken gewöhnt. Auf diese Frage der Abstammung antworte ich hartnäckig und kurz: ‚Nein, der Mensch stammt nicht vom Affen ab. – Er ist einer.‘ Und so manches mal stelle ich an der Reaktion auf diese Bemerkung hin fest, dass dies in letzter Konsequenz von vielen noch nicht verinnerlicht wurde. So nämlich, wie wir zoologisch-systematisch Wirbel- und Säugetiere sind, sind wir ebenso Schmalnasen- oder Altweltaffen. Wohl alle Lehrbücher der zoologischen Systematik stimmen hierin überein. Wir gehören zur Ordo Primates, der Ordnung der Herrentiere – Tiere, wohlgemerkt!“

aus: Carsten Niemitz – Das Geheimnis des aufrechten Gangs, C.H. Beck

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10 Antworten to “Über den Menschen”

  1. dethkultsocialclub Says:

    Na ja, ich denke schon, dass sich die meisten Leute, sofern nicht gerade übermäßig religiös, damit abfinden können, dass wir nicht von den Affen abstammen, sondern selbst welche sind.
    Die Sache ist nur die, dass das bloß die biologische Sicht ist, die sozusagen unsere Hülle definiert, aber nicht unseren Geist. Und in letztere Beziehung unterscheiden wir uns in einigen Punkten durchaus markant von anderen Affen.

  2. Also ich stell diese Abneigung schon noch fest. Und natürlich muss man dazusagen, dass es eine rein technische und keine inhaltliche Bestimmung ist. Klar unterscheidet sich zb der Schimpanse vom Gorilla durch einige Eigenheiten. So auch der Mensch.

  3. as System, das Affen in die Kategorie Affen, Fische in die Kategorie Fische und Käfer in die Kategorie Käfer steckt, ist künstlich, abstrakt, vom Menschen geschaffen.

    Es existieren verschiedene Artkonzepte, von denen sich keines abschliessend durchgesetzt hat.

    Der Affe, wenn er gefragt werde würde, würde sich vielleicht in die Kategorie „Ich Affe fressen, kopulieren und schlafen“ stecken. Oder „Ich Affe Teil Natur“.

    Vielleicht ist die Natur ein zusammenhängernder Superorganismus, den der Mensch aus Mangel an Abstraktionsvermögen mit Hilfe von Artkonzepten in kleine beschreibare Elemente zerlegt hat.

    Was uns deutlich vom Affen unterscheidet ist ganz klar, dass wir in der Lage sind, hier unterschiedliche Ansichten auszutauschen. Das setzt ein erheblich stärker differenziertes Hirn voraus, was klar biologisch analysierbar ist, da muss man sich nicht auf eine philosophische oder metaphysische Ebene begeben, um das „Mehr“, was den Menschen vom Tier „abhebt“, zu sehen. Wenn man sich auf irgendein zoologisches System beruft, ist die Behauptung schlichtweg falsch, das der Mensch ein Affe ist.

    Das „abhebt“ steht in Anführungszeichen, weil es ohne bedeuten könnte, dass ich diese oft wertend gemeinte Einschätzung teile.

    Die Realität scheint zu sein, das der Mensch sich vom Superorganismus Natur emanzipieren möchte. Die Motivation ist meiner Meinung nach die Angst, die schon den Affen plagte. Vor wilden Tieren, Unwettern, Hunger – dem Tod. Diese Triebkaft bewirkt Evolution, und das Entstehen von neuen Arten (wie dem Homo sapiens).
    Dann läuft man eben mal aufrecht, lernt den Präzisionsgriff mit Daumen und Zeigefinger und vermehrt sich krebsähnlich bis zum einem Punkt, an dem man für seine kollektive Nahrungssicherung andere Säugetiere in Massentierhaltung mit ihren zu Tiermehl verarbeiteten Artgenossen füttern muss.
    Spätestens an diesem Punkt muss man sich dann fragen, ob uns Mutter Natur nicht irgendwann auf ihren Schoss zurücksetzen wird, zu den Affen und all den anderen. Da gibt es vielleicht keinen alten Mann mit Bart, der einen Holzdampfer zusammenzimmert und seine Tierchen zusammenholt.

    Wenn sich der nach dem Erlernen des aufrechten Ganges anschließende Aufschlag auf den Boden der Tatsachen ein wenig durch die Erkenntnis dämpfen lässt, dass es Dinge gibt, die Tiere (nicht nur Affen) und uns Menschen verbindet, bitteschön, der Mensch ist ein Affe. Da brauche ich aber keine Biologie, Zoologie, Philosophie, blabla…

    Da reicht ein Kurzaufenthalt bei Pygmäen, Massais, Yanomamis oder Aborigines.

  4. Das Zitat will ebenjenen Fehler verdeutlichen: Der Mensch hebt sich durch sein größeres Gehirn trotz allem nicht von den Tieren ab, er ist trotz allem ein Teil der Natur. Der Mensch ist kein von Gott geschaffenes „höheres“ Wesen, er ist wie alles andere und somit auch Teil des Ganzen.

  5. Der Mensch hebt sich vielleicht nicht ab, wenn „hebt“ eine Wertung im positiven wie negativen Sinne meint, er unterscheidet sich aber in morphologischen, physiologischen und psychologischen Merkmalen beträchtlich von allen anderen Organismen.

    Das Verblüffende ist, dass der genetische Unterschied zwischen einigen Affen und Menschen minimal ist, die phänotypische Ausprägung der Gene des Menschen diesen aber dazu befähigt, im positiven wie im negativen (was auch immer das sein mag) Sinne gestalterisch auf seine Umwelt einzuwirken. In dem Maße schafft das kein Organismus. Methanbildende Bakterien, Reisfelder und Kühe schaffen es vielleicht, massiv auf die Atmosphäre einzuwirken, primär ist aber auch der Mensch dafür verantwortlich. Was der Mensch macht, hat einfach eine andere Qualität (nicht wertend!).

    Dass Mensch nicht von Gott geschaffen ist, ist eine Behauptung, die ich nicht widerlegen und du nicht belegen kannst. Kommt schon darauf an, wie man Gott überhaupt definiert und ob dass überhaupt möglich ist. Die Behauptung ist so gesehen sinnlos, genauso kannst Du einer Kakerlake erklären, wie ein Keks gebacken wird.
    Ich würde Creationisten widersprechen, für mich hat Evolution stattgefunden und findet immer noch statt.
    Religiösen Vorstellungen bzgl. der Frage, ob der Mensch von Gott geschaffen wurde, kann ich nicht widersprechen, davon verstehe ich zuwenig. Mir gefällt die dogmatische Art vieler religiöser Institutionen nicht, ich würde mich aber davor hüten, pauschal den Sinngehalt religiöser Aussagen zu verurteilen. Wer von uns hat die Bibel oder den Koran gelesen oder gar studiert?

    Was bedeutet das „Ganze“. Natur, Welt?
    Der Mensch ist nicht mehr Teil der Natur. (Ich gehe mal davon aus, dass wir unter Natur das Gleiche verstehen) Er unterliegt aber gewissen Gesetzmässigkeiten, die auch für die Natur gelten. Physikalische, chemische und biologische Gesetzmässigkeiten. Und die könnten dazu führen, dass der kleine Ausbruch des Menschen aus der Natur irgendwann vorbei ist. So gesehen ist die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies eine wundervolle
    Metapher.
    Sind wir unterschiedlicher Meinung, weil wir Begrifflichkeiten unterschiedlich definieren oder sind wir grundsätzlich unterschiedlicher Meinung? Ist mir nicht klar, ich habe versucht, auf jeden deiner Punkte zu einzugehen, habe aber das Gefühl, dass du das nicht getan hast. Ein Schimpanse oder Bonobo hätte das hier nicht schreiben können. Ist das eine andere Qualität oder nicht? Das bedeutet ja nicht gleich, dass man sich überlegen fühlen muss. Vielleicht meinst du das? Es geht vielleicht darum, dass der Mensch ein Bild von sich hat, was deiner und meiner Realität nicht gerecht wird. Sehe ich auch so. Anspruch und Realität liegen weit auseinander. Was letztendlich aus den hehren Zielen der Menschheit wird, ist letztendlich primatenhafter, als man sich eingestehen will. Termiten organisieren Staaten und haben Probleme gelöst, die Menschen noch nicht mal erkannt haben. Die Natur arbeitet nicht konsequent daran, ihre Umwelt, das System in dem sie sich entwickelt hat so umzugestalten, dass eine Existenz unmöglich ist. Es geht auch gar nicht. Sie folgt wie Wasser in einer Kapillare Gesetzmässigkeiten, ohne die Form der Kapillare ändern zu können. Umgekehrt geschlossen ist das für mich auch die Definition von Natur, Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere, die sich in einem System organisieren, das sich im Fliessgleichgewicht befindet. Populationen von Individuuen, die nicht in der Lage sind, das System so umzugestalten, dass sie den folgenden Generationen endgültig die Lebensgrundlage entziehen. Gibt es mehr Füchse, gibt es weniger Hasen. Weniger Hasen bedeuten weniger Füchse. Weniger Füchse bedeuten mehr Füchse. usw….Das scheint relativ einfach geregelt zu sein. Der Mensch schafft es mit Nutzung von Radioaktivität, dem Eingriff in den Kohlenstoffhaushalt und der Gentechnik, in so einem radikalen Mass in das System einzugreifen, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach das Überleben für seine folgenden Generationen unmöglich macht. Das hat definitiv eine andere Qualität.

  6. kleine Korrektur, bei Kühen sind es auch methanbildende Bakterien

  7. Das gestalterische Element des Menschen wurde in selbigem Zitat auch nicht angegriffen, es geht lediglich darum, dieses Element, wie alles andere auch nicht einem Schöpfergott sondern der Natur zu Unterstellen. Dass der Mensch stärker auf die Umwelt einwirkt als alle anderen Tiere ist eine schöne Feststellung aber hat keinen argumentativen Wert.
    Wie schon einmal in diesem Blog (in dem Zitat von Russel) gesagt, liegt es auf Seiten der Dogmatiker, das unglaublich Unwahrscheinliche zu rechtfertigen, dass etwas noch Komplexeres als die Welt (=Gott) aus dem Nichts heraus entstanden sein soll. Rein Logisch gesehen ein Wahnsinn. Im Übrigen studiere ich diese von dir angeführten Bücher (aber nicht nur sie) im Zuge meines Studiums, sie enthalten naturgemäß keine Antworten auf rein logische Fragen weil sie einen anderen Zugang zu dem Thema behandeln.
    Natürlich unterliegt der Mensch der Natur. Oder ist dir nicht Kalt, wenn du im Winter nackt in einem Teich baden gehst? Wie schon oben gesagt, dass die Menschen (scheinbar) größere Veränderungen auslösen kann als zb Regenwürmer hat keinen argumentativen Mehrwert dafür, dass er trotzdem teil von allem ist.
    In dem Zitat geht es einfach darum, dass der Mensch nicht glauben soll, er sei eine höhere Lebensform, die das Recht hätte über andere Lebensformen zu bestimmen, weil es ja Gottgewollt sei. Das ist alles.

  8. „In dem Zitat geht es einfach darum, dass der Mensch nicht glauben soll, er sei eine höhere Lebensform, die das Recht hätte über andere Lebensformen zu bestimmen, weil es ja Gottgewollt sei. Das ist alles“

    Das finde ich gut, das sehe ich auch so. Einzig (nicht) artig zu sein ohne anmassend und überheblich zu sein, etwas, was wir beide nicht mal in diesem Blog geschafft haben.

    Das „Glauben können, eine höhere Lebensform zu sein“ macht neben bereits erwähnten biologischen Unterschieden den Menschen zum Menschen und das Tier zum Tier.

    „Das gestalterische Element des Menschen wurde in selbigem Zitat auch nicht angegriffen, es geht lediglich darum, dieses Element, wie alles andere auch nicht einem Schöpfergott sondern der Natur zu Unterstellen.“

    Das Gestalterische (bzw. das Ausmaß dessen) ist ein weiterer Punkt, der Menschen zu etwas Einzigartigem macht.
    Das ist kein Argument? Das Problem ist doch, daß du bei „einzigartig“ eine positive Assoziation hast. Verlangt doch keiner.

    Hast Du versucht, zu verstehen, wie ich über Gott denke? Der Dogmatiker bist du, weil du Gott selbst ständig einen weissen Bart anklebst, ihn auf eine Wolke setzt.

    „Im Übrigen studiere ich diese von dir angeführten Bücher (aber nicht nur sie) im Zuge meines Studiums, sie enthalten naturgemäß keine Antworten auf rein logische Fragen weil sie einen anderen Zugang zu dem Thema behandeln.“

    Dass diese Bücher Dir keinen Zugang zu diesem Thema bieten und Deine Fragen nicht Deiner Logik gemäss beantworten, bedeutet nicht, dass sie keinen Zugang zu diesem Thema bieten oder Antworten auf diese Fragen beinhalten. Naturgemäß.

    Mir ist nicht kalt, weil ich nicht in einem Teich baden gehe. Wenn ich friere, gehe ich in einen Laden und kaufe mir Handschuhe und einen Schal. Und Alpakasocken.

    Es ist nun mal eine Tatsache, daß die Menschen sich in dem ewigen Dilemma befinden, ständig Alternativen abwägen zu können, in einer sehr komplexen und abstrakten Welt. Bei einem Winterteich ist es ziemlich leicht, eine Entscheidung zu fällen. Hier nocheinmal etwas zu posten – ist mir schon schwerer gefallen.

    Was ist dein konkreter Vorschlag? Wir besinnen uns darauf,
    dass wir Wirbeltiere sind, Schmalnasenaffen?
    Was soll das bringen? In welchem Zusammenhang? Löst das was?
    Ach so,
    „In dem Zitat geht es einfach darum, dass der Mensch nicht glauben soll, er sei eine höhere Lebensform, die das Recht hätte über andere Lebensformen zu bestimmen, weil es ja Gottgewollt sei. Das ist alles.“

    Wenn wir das „Gottgewollt“ einfach wegnehmen (ging es Dir darum?). Dann nimmt der Mensch sich immer noch das Recht, über andere Lebensformen zu bestimmen, weil er eine höhere Lebensform zu sein glaubt.

    Das Zitat von Niemitz macht mir nicht plausibel, warum ich glauben soll, dass der Mensch in jeder Hinsicht sich so nahtlos in (die künstliche, von uns geschaffene) zoologische Systematik eingliedern lässt. Als Philosophie-Student hast du doch ganz klar etwas bezweckt, wenn Du das Zitat hier anführst. Es geht doch nicht nur um die biologische Frage, ob der Mensch Schmalnasenaffe ist. Niemitz glaubt, einen Haha-Effekt erleben zu dürfen (wie Du mit diesem Blog), wenn er Menschen starken Tobak verabreicht, indem er sie damit konfrontiert, dass sie Affen seien. Im Mutterbauch waren wir alle auch mal verschmolzene Ei- und Samenzelle, Froschluch usw.
    In der Keimesentwicklung werden bestimmte Organisationszüge von Ahnenstadien aus der Stammesentwicklung kurz rekapituliert.
    Frühe Entwicklungsstadien von Wirbeltieren sind daher einander in ihrer Gestalt sehr ähnlich. Sie legen sogar Kiemenbögen an.
    Und was bringt uns diese Erkenntnis? Wir können uns immernoch entscheiden, haben Alternativen. Hat kein Affe. Ich entscheide mich jetzt, Tschüss zu sagen. Tschüss.

  9. Naja wenn dir das Zitat nichts gibt, dann überlies es einfach und tu es als etwas ab, dass dich in deinem „Naturfernen Leben der Alternativen“ nicht betrifft. Zwei Meinungen sind ja auch gut.

  10. Robert Perger Says:

    Das Zitat hat mir sehr zum Nachdenken und posten angeregt. Zum Thema naturfern: http://www.coleop-terra.com/about.html

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