Pythagoras

Pythagoras wurde um 570 v Chr. auf Samos geboren und starb etwa 480 v Chr. in Metapont. Er soll die Insel Samos wegen der Tyrannis des Peisistratos verlassen und nach Kroton in Unteritalien ausgewandert sein, wo die Pythagoreer maßgeblich das städtische Bild beeinflussten, bis heute aber beeinflussen sie unser Denken.
Seine mystische Sicht der Welt, die aus der Orphik entstammt, ist der Gegenpol zur Wissenschaftlichkeit der ionischen Naturphilosophie. Man kann sagen, dass der Pythagoreismus eine Reformbewegung innerhalb der Orphik war und so im Kern mit dem Dionysoskult zu tun hat. So ist der Begriff der „Theoria“ ein ursprünglich orphischer und hat als solcher ein extatisches Element, dass aber bei Pythagoras längst nicht mehr darin bestand, den Sinnenfreuden nachzugeben sondern die Extase war in der geistigen Welt zu finden. So mündet bei ihm die Theorie in der Mathematik, deren Erkenntnissen und der Freude die man verspürt wenn man Mathematik betreibt, was bei Pythagoras gleichbedeutend ist mit Philosophie.
Aus dieser engen Verbindung von religiösen Motiven und Mathematik stammt die bis heute lebendige Sichtweise, dass mathematische Erkenntnis höher stehe als empirische Erkenntnis, weil das Denken reiner ist als die Empfindung. Denn sinnliche Objekte sind begrenzt und nie so perfekt wie gedankliche. Anders als die Empirie sind Zahlen ewig, (über)real und nicht zeitgebunden.
Bertrand Russel merkt hierzu an, dass die Mathematik, vor allem seit Pythagoras der Hauptquell für die Idee einer ewigen und exakten Wahrheit ist. Ebenso stammt die Vorstellung, dass es eine Welt gäbe, die sich dem Denken offenbart, nicht aber den Sinnen von den Pythagoreern. Hier ist also der Grundstein für das abstrakte Seinsdenken in der Antike gelegt worden.
Noch eine große philosophische Neuerung wird durch Pythagoras eingeführt: die Seele. So entwarf er ein Konzept der Seelenwanderung, das darauf abzielte, als möglichst gereinigte Seele den Körper zu verlassen, um im nächsten Leben als verständiges Wesen (am besten als Mensch) wiedergeboren zu werden. Im Einklang mit seiner Sicht der Mathematik kann er hier erklären, dass die ganze Welt Falsch ist und der Körper das Grab der Seele ist. So begann wohl auch eine gewisse Leibfeindlichkeit bei ihm, die sich später, im christlichen Mittelalter, dogmatisch festsetzen sollte

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