Über Solipsismus

„Ich erinnere mich, wie mich einmal ein berühmter Philosoph, der sich zum Solipsismus bekannte, in seinem Wagen mitnahm und er eine Reifenpanne hatte. Er unterbrach seinen Diskurs über die Feerie der Illusionen, welche jegliches Dasein darstelle, und schickte sich ganz gewöhnlich, ja sogar ein bißchen stöhnend dazu an, den Wagen hochzubocken, das Reserverad hervorzurollen, ich aber sah ihm bei alledem mit kindlicher Befriedigung zu, als hätte ich einen Christus vor mir, den der Schnupfen plagt. Er benutzte den illusionären Schlüssel, zog der Reihe nach die phantasmagorischen Muttern an, betrachtete sodann voller Verzweiflung seine Hände, die mit einem Schmutz bedeckt waren, der, nach seiner Lehre, eigentlich nur den Wert eines Traumes haben durfte – aber irgendwie kam ihm das alles gar nicht in den Sinn.“

aus: Stanislaw Lem – Die Stimme des Herrn, suhrkamp taschenbuch 2494

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2 Antworten to “Über Solipsismus”

  1. dethkultsocialclub Says:

    Na ja, würde mich auch schwer wundern wenn es wirklich jemanden gäbe, der vollkommen vom Solipsismus überzeugt ist. Und wenn doch, weiß ich immerhin, dass er Unrecht hat. ;)

  2. ich weiß, ich fand es nur witzig ; )

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